„Der Islam ist eine Religion der Toleranz“ – Mahfous Abu Mahfouz über den Islam auf Mallorca

Ein perfekt sitzender Anzug, ein schicker englischer Geländewagen und ein unverschämt sympathisches Lächeln. Der Auftritt von Mahfous Abu Mahfouz entspricht nicht gerade dem, was man sich von einem der vielleicht wichtigsten Repräsentanten der muslimischen Gemeinde auf den Balearen vielleicht vorgestellt hätte. Und doch ist der 39-jährige Jordanier Mahfous Abu Mahfouz seit einigen Jahren Präsident und Sprecher des Islamischen Regionaverbandes FICAIB.

Wie viele Muslime leben aktuell auf den Balearen?
Da es sich um eine religiöse Gemeinschaft handelt, die ja keiner offiziellen Registrierung unterliegt, gibt es natürlich keine genauen Zahlen. Wir schätzen aber, dass auf allen Inseln zirka 45.000 Muslime leben, 30.000 davon auf Mallorca.

Welche konkreten Aufgaben verfolgt Ihr Verband?
Wir stellen das Bindeglied zwischen den Interessen der muslimischen Gemeinde und den spanischen Behörden dar. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Anerkennung der islamischen Gotteshäuser und Moscheen, von den es auf den Balearen insgesamt rund 40 gibt.

Inwieweit haben die jüngsten, islamistisch motivierten Attentate in Frankreich und Dänemark dem Image der Muslime auf den Balearen geschadet?
Gar nicht. Sie haben letztendlich dazu beigetragen, dass sich insbesondere die Einheimischen viel intensiver mit dem Islam beschäftigen als vorher. Es ist wichtig, dass gerade Menschen anderer Glaubensrichtungen uns Muslime verstehen. Das trägt langfristig zu einem besseren Verständnis bei.

Ist es in den vergangenen Wochen zu Übergriffen oder Anfeindungen von Muslimen auf Mallorca gekommen?
Nein. Ganz im Gegenteil. Im Zuge der Attentate, die wir aufs schärfste verurteilt haben, bekannten sich viele Mallorquiner zu uns, ließen uns ihre Solidarität spüren. Ein Attentat im Namen des Islams zu begehen, ist für uns eine Art von Blasphemie. Der Islam ist eine Religion des Friedens und der Toleranz gegenüber allen anderen Glaubensrichtungen. Zu behaupten, der Islam wolle eine weltweite Religiöse Vorherrschaft, ist eine glatte Lüge, die von Fanatikern für eigene, machtpolitische Interessen ausgenutzt wird.

In Deutschland fanden anti-islamstische Ansichten im vergangenen Jahr neuen Nährboden. Die Vereinigung PEGIDA demonstrierte bundesweit gegen die „Islamierung des Abendlandes“. Hat Sie das nicht beunruhigt?
Nein. Warum auch? An vielen Orten der Welt entstehen immer mal wieder solche Bewegungen. Wichtig ist, wie man damit gesellschaftpolitisch umgeht. Und da kann ich der Bundesregierung und ihrer Kanzlerin nur gratulieren. Chapeau! Sie führte ohne Druck oder gar Gewalt eine offene Diskussion unter den Bürgern ihres Landes. Dass seit kurzem kaum noch jemand über diese Bewegung spricht, und dass sie sich praktisch von selbst aufgelöst hat, spricht für den großen Konsens und die Toleranz der Deutschen hinsichtlich in ihrem Land herrschenden Religionsfreiheit.

In einigen Bundesländern wird seit Jahren ein Burka-Verbot an öffentlichen Schulen gefordert. Wie stehen Sie als gläubiger Moslem dazu?
Eines vorweg: Grundsätzlich respektieren wir Muslime uneingeschränkt die Gesetzes und Gepflogenheiten der Länder, in denen wir leben. Dieser respekt ist wichtiger Teil unseres Glaubens. Ich persönlich finde es wichtig, dass man sich im Falle von unterschiedlichen Ansichten zusammensetzt und über die verschiedenen Standpunkte spricht. Das setzt natürlich voraus, dass man nicht automatisch auf seinen eigenen besteht. Ich gebe mal ein Beispiel: Unsere Religion verbietet unseren Frauen, dass sie von einem anderen Mann, der nicht ihr Ehemann ist, angefasst wird. Würde sie aber im Notfall gegenüber einem behandelnden Arzt darauf bestehen, wäre das ein törichter Fehler, oder? Was ich sagen will: Wenn es eine situation dringend erfordert, kann man ruhig von jemanden verlangen, auf eine für ihn wichtige spirituelle Gewohnheit zu verzichten. Aber deshalb gleich ein generelles Burka-Verbot auszusprechen, halte ich ebenso für unnötig.

Wie haben Sie sich persönlich in der mallorquinischen Gesellschaft integriert?
Ich bin 2001 von Jordanien nach Mallorca gezogen und habe mich von Beginn an hier sehr heimisch gefühlt. Die Mallorquiner haben es mir aber auch sehr leicht gemacht.

Fällt es Immigranten aus muslimischen Ländern schwerer, hier Fuß zu fassen?
Wahrscheinlich genauso schwer wie Einwanderern aus Mittel- und Nordeuropa. Die Mallorquiner sind ein offenes, herzliches Volk. Das einzige Problem, das eine Integration erschwert, ist die Sprache. Es ist wichtig, stets die Sprache des Landes zu sprechen, in dem man lebt. Aber das ist wohl überall auf der Welt so.

Die Zahl von nordafrikanischen Immigranten auf den Balearen ist seit Jahren rückläufig. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Es ist seit Ausbruch der Krise für viele einfach schwieriger geworden, hier eine Arbeit zu finden.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich spiele gerne Fußball mit Freunden am Wochenende.

In Spanien heißt es beim Thema Fußball immer gleich „Barca oder Madrid?“. Wie lautet Ihre Antwort?
Ganz ehrlich. Ich spiele lieber selbst Fußball als dass ich es schaue. Wenn es eine Mannschaft gibt, die ich bewundere, dann die deutsche Nationalelf. Ihr Spiel ist mannschaftsdienlich ausgerichtet. Was zählt, ist nicht der einzelne Spieler, sondern das ganze Team. Das ist einfach vorbildlich.

Letzte Änderung am Freitag, 08 Januar 2016 08:38
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1 Kommentar

  • GarrettUGola
    GarrettUGola Dienstag, 15. März 2016 06:29

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