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Aller Anfang ist schwer - Golfen auf Mallorca

Mit 22 öffentlichen Golfanlagen zählt Mallorca zu einem echten El Dorado für Golfspieler aus ganz Europa. Bis zu 300.000 von ihnen fliegen jährlich auf die Insel, um zwischen Palma und Pollensa Holz und Eisen zu schwingen. Doch wer mit dem Traditionssport auf Mallorca beginnen möchte, steht erst einmal wie der Ochs vorm Berg.

Golf zum Schnuppern

Suchen Sie sich in der Nähe Ihres Wohnortes einen Golfplatz aus. Und dann fahren Sie einfach mal hin. Ohne Anmeldung oder dergleichen. Fragen Sie im Proshop, also dort, wo man nicht nur Golfausrüstung kaufen kann, sondern auch die Startzeiten für eine Golfrunde bucht, nach dem Head-Pro. Der Head-Pro ist in der Regel der Leiter der clubeigenen Golf-Academy oder im Falle von kleineren Clubs, derjenige, der dort hauptsächlich Golfunterricht gibt. Erzählen Sie ihm von ihrem Wunsch, Golfspielen zu lernen. Er wird Sie sicherlich zu einer (meist) kostenlosen Schnupperstunde einladen. Größere Clubs wie das Arabella Resort in Palma mit seinen drei Plätzen oder das Golfresort Son Antem bei Llucmajor bieten ganzjährig Schnupperkurse an.

Reife-Prüfung für den Platz

Nach der Probestunde müssen Sie eine Entscheidung treffen: „Will ich weitermachen oder es lieber bleiben lassen?“ Im ersteren Fall wird Ihr Golflehrer Sie darüber aufklären, dass man zum Spielen auf einem Platz eine sogenannte Platzreife braucht. Sie ist wie ein Autoführerschein, also eine Bestätigung darüber, dass Sie sich auf einem Golfplatz so verhalten können, dass Sie weder den Betrieb auf der Anlage aufhalten noch andere Spieler stören oder gar verletzen. Das klingt komplizierter als es ist.

Handicap & Etikette

Für die Platzreife, die Ihnen Ihr Golflehrer nach einer gewissen Zahl von Übungsstunden (ca. 15 Stunden) abnimmt und offiziell bestätigt, müssen Sie die Regeln des Golfspieles beherrschen. Sie müssen in der Lage sein, mit einer bestimmten Zahl von Schlägen ein Loch zu spielen. Damit bekommen Sie dann auch gleich ein Minimum-Handicap – in Deutschland ist es 54, in Spanien 36 – zugewiesen. Das Handicap ist praktisch die Zahl der Schläge, die Sie insgesamt auf einem Platz (also 18 Löchern) mehr zur Verfügung haben als ein Pro (ein Profispieler mit Handicap O). Es ist wichtig, um bei einem Zählspiel mit anderen Golfern, die besser oder schlechter sind, überhaupt auf die Runde gehen zu können. Außerdem müssen Sie für die Platzreife die sogenannte Golf-Etikette beherrschen. Dabei handelt es sich um bestimmte Regeln, nach denen man sich auf einer Golfrunde verhält.

Gruppen- oder Einzelunterricht

Für den Platzreife-Kurs müssen Sie sich entscheiden, ob Sie bei Ihrem Golflehrer (Pro) einen Einzel- oder Gruppenunterricht buchen. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Im ersteren Fall ist es natürlich vor allem der Preis. Golflehrer auf Mallorca nehmen pro Stunde Einzelunterricht zwischen 50 und 90 Euro. Günstiger sind Gruppenkurse. Dabei ist vor allem der Zeitaufwand zu berücksichtigen. Klären Sie erst einmal für sich, wie viele Stunden Sie pro Woche für den Grundkurs „investieren“ wollen. Für alle, denen es nicht schnell genug gehen kann (dazu zählen natürlich insbesondere Urlauber!), bietet das Arabella-Golfresort in Palma beispielsweise einen Crashkurs zur Erlangung der Platzreife nach den Vorgaben des Deutschen Golfverbandes (DGV) an. Der fünftägige Kurs, inklusive täglichen Trainingseinheiten, Platzeinführung, Regel&Etikette-Workshop sowie Leihschläger kostet 620 Euro.

Material

Richtig. Ohne Golfschläger spielt es sich sehr schwer. Doch was braucht ein Golfspieler am Anfang? Natürlich können Sie sich für die ersten Stunden einen Satz Leihschläger in Ihrem Club ausleihen. Auf längere Sicht sollten Sie jedoch eigene Schläger kaufen. Am besten fragen Sie ihren Golflehrer, welche Ausrüstung für Sie in Frage kommt. Sagen Sie ihm, wie viel Geld Sie maximal ausgeben wollen. Schlägersets einschließlich Tasche können von 100 bis mehrere Tausend Euro kosten. Dazu kommen noch Schuhe, Hose, Polo, Cap, Handschuhe, Bälle, etc…..Golf ist hinsichtlich des Zubehörs wie viele andere Sportarten kein billiges Hobby. Lassen Sie sich deshalb nicht erschrecken. Vielleicht reicht Ihnen am Anfang ein Set aus dem Sportgroßhandel (Decathlon in Palma) oder sogar Secondhand.

Und was jetzt?

Glückwunsch! Sie haben die Platzreife also in der Tasche und sind jetzt richtig heiß geworden? Kein Problem. Sie sind ja nicht allein. Für viele Menschen ist das Golfspiel die reinste Sucht, von der man kaum noch loskommt. Allerdings ist Golfen ein sehr komplexes und zeitfressendes Hobby. Um besser zu werden, müssen Sie erst einmal weiterhin Golfstunden nehmen. Am Anfang mindestens ein- bis zweimal pro Woche, später reicht eine Stunde alle zwei Wochen. Aber das hängt natürlich von jedem selbst ab. Übung macht den Meister. Sie sollten also so viel Zeit wie nur möglich auf der Übungsanlage eines Golfclubs verbringen. Die besteht in der Regel aus einer Driving Range (einer Art „Schießstand“ zum Üben von langen Schlägen) und einem Chipping- und Putting Areal. Die Benutzung kostet in der Regel Geld, oftmals reicht es aber auch aus, sich ein paar Ball-Token im Proshop zu kaufen. Das sind Münzen, mit denen man auf der Driving Rang dann einen Korb Bälle aus dem Automaten holt, um sie anschließend in aller Ruhe auf der Range oder den Übungsgreens zu verballern. Zu den schönsten, größten und günstigsten Übungsanlagen zählt der Marriott-Golfclub Son Antem bei Llucmajor.

Wann darf ich endlich auf den Platz?

Wenn Sie die Platzreife nach deutscher Vorgabe, also Minimum-Handicap 54, bestanden haben, müssten Sie sich eigentlich erst einmal auf Handicap 36 „runterspielen“, um in Spanien auf einem Platz abschlagen zu dürfen. Das ist allerdings nur reine Theorie. In der Praxis werden Sie fast nie nach ihrem Handicap gefragt, wenn Sie ein Greenfee in einem Club auf Mallorca kaufen. Und Sie sollten damit so schnell wie möglich anfangen. Denn erst auf einem richtigen Platz können Sie erleben, wie schön, dramatisch, spannend, fies und unterhaltsam Golfspielen sein kann. Gehen Sie am Anfang am besten mit einem erfahrenen Golfer auf die Runde. Der kann Ihnen nicht nur wichtige Tipps mit auf den Weg geben, sondern Ihnen auch die „Platzangst“ nehmen.

Letzte Änderung am Donnerstag, 20 Oktober 2016 00:13
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